
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
auf dem Weg zur Arbeitsstelle sehen einige Menschen so aus, als reisten sie
direkt in eine Vollzugsanstalt. Frustriert, unzufrieden mit sich und der vermeidlich
ungerechten Umwelt. Von Lebensfreude und Unbeschwertheit keine Spur.
Wehe man erkundigt sich nach ihrem Befinden. Die Litanei kann selbst den belastbarsten
Zuhörer in den seelischen Abgrund reißen: Die Arbeit ist die Ursache
für Ärger, Enttäuschung und Unwohlsein. „Die Arbeitskollegen
sind allesamt Intriganten“, „die Kunden unverschämt“
und „der Chef ist ein Trottel“. „Alles nur Mist.“
HALT, werden Sie sagen, so uneingeschränkt negativ sehen nur wenige Menschen
ihren Beruf. Das stimmt. Aber für viele gilt eben doch, dass „fremde
Kräfte“ die Freude an ihrer Tätigkeit verleiden. Offenkundig
scheint es heutzutage eine „Kunst“ zu sein, seinen Beruf zu lieben.
In zu vielen deutschen Behörden, Ämtern, Betrieben und Firmen haben
zu viele Menschen bereits „innerlich gekündigt“. Am häufigsten
betroffen sind davon Beschäftigte der mittleren Führungsebene. Sie
haben die „Sandwich-Position“, das heißt: Sie haben den
Druck ihrer Vorgesetzten auszuhalten und gleichzeitig die Erwartungen ihrer
„Kunden“ und Mitarbeiter zu erfüllen.
Die fühlen sich nicht selten „erschöpft - verbittert - ausgebrannt“;
mit einem Wort „ausgepowert“. Eine solche Befindlichkeit wirkt
sich nachteilig aus auf Effektivität und Produktivität, sie ist
schädlich für die Arbeitsqualität.
Auch in der Arztpraxis klagen Menschen zunehmend: „Ich brauche dringend
eine Pause“, „Mein Akku ist leer“, „Ich kann nachts
kaum noch schlafen vor lauter Stress“ oder „Ich bin reif für
die Insel“.
Diese Aussagen offenbaren „Stress pur“. Tendenziell zeigt sich
dieser Zustand bei Frauen eher als „emotionale Erschöpfung“.
Bei Männern sind die Anzeichen stärker in Form von „Ironie,
Sarkasmus, Zynismus“ ausgeprägt. Mutmaßlich sind das zwei
Seiten einer Medaille. „Männer wollen gut sein, Frauen wollen es
gut machen.“ Was ist in dieser langen Phase zwischen Idealismus und
Zynismus geschehen? frage ich. Andererseits höre ich von wohlmeinenden
Zeitgenossen das Argument, das „Burnout-Syndrom sei eine „Trenddiagnose“.
Nach dem Motto: „... zu meiner Studentenzeit kannte man kein Burn-out.
Höchstens, wenn’s auf der Party nix mehr zu rauchen gab“.
Richtig ist es, nicht zu voreilig von Burn-out zu sprechen, sondern zunächst
zu prüfen, ob es sich nicht doch um eine überfordernde Situation,
eine depressive Episode oder um ein spätes Stadium von einem Bündel
von unbewältigten Stressoren handelt. Denn: Manch einer ist lediglich
erschöpft und braucht Erholung, mehr nicht. Manch anderen kann ich schnell
beruhigen, denn das „Burn-out“-Syndrom trifft ja nur denjenigen,
der zuvor auch wirklich „gebrannt“ hat.
Stress entsteht im Kopf. Oft werden die äußeren Umstände verantwortlich
gemacht. Doch die bestimmen unser Handeln nicht wirklich, sondern mehr unsere
Sicht auf sie. Stress entsteht immer in unseren Köpfen. Ein Indiz: Auf
die Frage „Was wollen Sie selbst?“ fällt dem Betreffenden
spontan nur ein, was er nicht will. Häufig gilt Stress geradezu als Statuszeichen.
Dabei zeugt diese Form von Stress häufig nur von einem schlechten Umgang
mit den eigenen Ressourcen bezüglich „Zeit und Nerven“.
Lange wurde die Krankheit vorwiegend mit sozialen Berufen in Zusammenhang
gebracht. Vor allem Lehrer, Krankenschwestern oder auch Sozialarbeiter galten
als Risikogruppen. Davon ist man inzwischen abgekommen.
Mein Rat zum Schluss: „Die Freude am Beruf sichert unseren Erfolg!“
Gerade deswegen bleibt es unsere ureigene und wichtigste Aufgabe, speziell
unsere aktuelle Tätigkeit zu mögen. Ein Lehrer, zum Beispiel, der
seine Schüler nicht mag, wird kein guter Lehrer sein können. Also
bleibt dieses unsere dringendste persönliche Angelegenheit: Die Tätigkeit,
die wir zurzeit ausüben, sollten wir uns bemühen, so gut wie möglich
gerne zu erledigen. Wir sollten uns ebenso bemühen, uns selbst bestmöglich
zu organisieren, um besser mit unseren Ressourcen wie „Zeit und Nerven“
umzugehen. Um so den täglichen Stress besser zu bewältigen, schädlichen
Folgezustände vorzubeugen und so das „Burn-out“-Syndrom erfolgreich
zu vermeiden. Aus dem täglichen Negativ- Stress kann jeder mit einfachen,
kleinen Schritten wieder herauskommen.
Das Schwierigste daran ist nur, zu begreifen, dass wir einiges selbst ändern
müssen. Wer das Problem erkannt hat, arbeitet bereits an seiner Lösung.
Für Ihre Gesundheit
alles Gute wünscht
Ihr Wolfgang Woynar

Burnout muss nicht sein
Stressbedingte Gesundheitsstörungen wie psychosomatische Beschwerden
oder Depressionen sind in Deutschland die Nummer eins unter den Krankheitsgründen.
Burn-out hat einen klaren Bezug zur Arbeitswelt. Die Arbeits- und Organisationsgestaltung
beeinflusst im Wesentlichen das Krankheitsgeschehen.
Was können Sie tun, um einem „Burn-out“-Syndrom vorzubeugen?
Wer gesund bleiben will, muss die Balance zwischen Beruf und Freizeit beachten.
Sinnvolle Freizeitgestaltung ist aktive Investition in die Leistungsfähigkeit
und Gesundheit. Wichtig ist, das eigene Privatleben zu schützen. Persönliche
Beziehungen sind eine entscheidende Kraftquelle. Sport ist ein weitere Schutz
gegen Burnout: Die meisten Tätigkeiten sind heute „verkopft“.
Der Mensch aber ist biologisch für Bewegung gemacht.
Last not least, man sollte jeder Form von einseitiger, monotoner Belastung
entgegenwirken.
Wie sollten sich Chefs den Mitarbeitern gegenüber verhalten?
Chefs sollten neben der Sachebene vor allem lernen, auf die Beziehungsebene
zu achten.
Zu oft wird nur mit Druck geführt, Wertschätzung bleibt auf der
Strecke. Um psycho-„logisch“ zu handeln, müssen Sie nicht
notwendigerweise Psychologe sein.
Stress im Übermaß
Wenn Katzen Mäuse jagen, dann haben beide Stress. Der Unterschied: Die
Katzen haben Spaß – für die Maus geht es ums nackte Überleben.
Allein die Flucht sichert das Dasein. Keine Zeit für Angst oder Nachdenken.
Di-Stress pur. Di-Stress ist der „böse Bruder“ des „gesunden“
Eu-Stress.
Stress im Übermaß beeinträchtigt langfristig Wohlbefinden,
Leistungsfähigkeit und Lebensfreude und bringt Gesundheitsrisiken mit
sich. Die körperlichen und seelischen Warnsignale sind trockener Mund,
kalter Schweiß, Muskelanspannung, erhöhter Herzschlag. Bestätigt
ist der Zusammenhang zwischen zu viel Stress über lange Zeit mit Kopfschmerzen,
Hautproblemen, geschwächtem Immunsystem, Rückenschmerzen, Herz-Kreis-Erkrankung/
Bluthochdruck, Magen- und Darmbeschwerden und Potenzstörungen.
Stress im Übermaß schlägt sich im Verhalten nieder:
• Die Leistungsfähigkeit sinkt: Zunehmende Gereiztheit, Aggressivität,
starres Denken und Abnahme der Kreativität.
• Die Erholungsmöglichkeit nimmt ab: Rückzug aus sozialen
Beziehungen und Freizeitaktivitäten.
• Das Krankheitsrisiko steigt: Unregelmäßiges Essen, wenig
Bewegung, Rauchen und Pseudo-Entspannung mit Alkohol oder Medikamenten. Stress
bedroht immer häufiger unser inneres Gleichgewicht und Selbstvertrauen.
Di-Stress ist ein langsam wirkendes Gift gegen den Betroffenen.
Wie können Sie dem Stress entkommen? Eine wichtige Erkenntnis: Sport
baut Stress und Ärger ab. Er erfüllt die Funktion, „Dampf
abzulassen“.
Es lebe der Sport:
1. Entspannung, 2. Bewegung, 3. Muskel-Training – in dieser Reihenfolge.
Sprechen Sie den Arzt Ihres Vertrauens an, denn: Einen Artikel über Stress
zu lesen ist vergleichsweise einfach. Schon schwieriger wird es, das eigene
Verhalten zu ändern.
Die chronische Erschöpfung
Jede Maschine wird gewartet. Jeder Mensch braucht seine ärztliche Betreuung
– medizinisch und psychologisch.
1. Anfangs wollen Sie sich beweisen und fühlen sich Ihrer Aufgabe verpflichtet
(Idealist).
2. Der Verdienst/die Anerkennung entspricht nicht Ihrer Leistung: Sie verstärken
Ihren Einsatz.
3. Vernachlässigen Ihrer Bedürfnisse: Familie, Freunde, Freizeit
werden zurückgestellt.
4. Erste Konflikte werden verdrängt: Ärger auf der Arbeit Spätestens
jetzt ist professionelle Hilfe nötig.
5. Sie deuten die Konflikte um: „Arbeit ist wichtiger als ich“,
„Stress als Statussymbol“.
6. Sie gaukeln sich vor, dass es Ihnen selbst gut geht. Ansprüche der
Familie, von Freunden werden verkannt, abermals zurückgestellt.
7. Sozialer Rückzug.
8. Familie, Freunde, Mitarbeiter beobachten Veränderungen des Verhaltens
und Erlebens Ihre Persönlichkeit verändert sich. Typische Anzeichen:
Ironie, Sarkasmus, zunehmende emotionale Erschöpfung.
9. Sie entwickeln Angstzustände, „Gefühl der inneren Leere“.
10. Das Stadium der behandlungspflichtigen Depression ist erreicht.
Am Ende steht die völlige Erschöpfung. Lassen Sie es niemals dazu
kommen.
Stress auf der Arbeit
Stress ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein schlechter
Umgang mit den Möglichkeiten.
Doch Stress ist nicht immer des Teufels. Stress kann auch eine Art Motor sein.
Ein gewisser Druck spornt an und beflügelt. Adrenalin wirkt wie ein positiver
Energiestoß. Dieser ermöglicht uns, Arbeitskraft in konstruktive
Kreativität umzuwandeln.
Wege zu mehr Gelassenheit
Lernen Sie das Entspannungstraining, das sich an die „progressive
Muskelrelaxation“ anlehnt. Dabei werden alle wichtigen Muskelgruppen
erst angespannt und dann wieder entspannt.
Diese „Progressive Muskelentspannung“ bildet die Grundlage von
mentalen Entspannungsübungen gegen stressbedingte Leiden wie Migräne
oder Spannungskopfschmerz, Bluthochdruck, allgemeine Angstzustände und
Schlaflosigkeit: Man löst nicht nur momentane Verkrampfungen, sondern
kann auf längere Sicht lernen, innere Unruhe und Anspannung leichter
und besser zu überwinden.
• Nehmen Sie sich „Zeit für sich“ und suchen Sie völlig
losgelöst nach einer Situation, die für Sie ganz persönlich
Entspannung schlechthin bedeutet. Regelmäßiges Üben der Basisentspannung
vorausgesetzt, werden Sie bald in der Lage sein, die „Kurzentspannung
mit Ruheszene“ während und nach Belastung zum Auftanken zu nutzen.
Die Ruheszene sollte eine Situation sein – gleich ob konstruiert oder
selbst schon erlebt – in der Sie sich sehr wohl fühlen: Vielleicht
liegen Sie auf einer Wiese. Ein leichter Wind bewegt das Gras. Die Sonne scheint
und wärmt Sie angenehm. Vielleicht sind Sie auch am Meer, das leise rauscht.
Sie liegen in den Dünen, lauschen den Möwen und schmecken das köstliche
Salz der See auf Ihren Lippen. Ein mentaler Ultra-Kurzurlaub, nicht die ganze
Wahrheit, aber besser als gar nichts.
• Für den Alltag in Beruf oder Familie von praktischem Nutzen ist
die Übung „Kurzentspannung mit persönlichem Leitsatz“.
Um für belastende Situationen noch besser gerüstet zu sein, können
Sie sich einen Gedanken, einen Leitsatz wählen, der für Sie ganz
persönlich bei Ihrem Bemühen um mehr Gelassenheit hilfreich ist.
Er kann Ihnen in Stresssituationen helfen, Ruhe zu bewahren und erfolgreich
zu handeln. Den Gedanken können Sie auch als Signal benutzen, sich sehr
schnell zu entspannen. Fassen Sie diesen Gedanken in eine kurze Formel, zum
Beispiel „Ich bleibe ganz ruhig“ oder „Erst nachdenken,
dann handeln“ oder auch „Ich schaffe es“.
Zum Stressmanagement gehört neben der Entspannung auch das mentale Training.
Man könnte es als „geistiges Trockentraining“ bezeichnen,
das bereits erfolgreich von Spitzenkräften in Wirtschaft und Sport angewendet
wird, um im entspannten Zustand schwierige Situationen geistig „auszuprobieren“.
Stress wird häufig durch „negatives Denken“ hervorgerufen
oder verstärkt. Dieser Stress ist gewissermaßen „hausgemacht“.
Negative Gedanken stellen eine Last dar, die wir ständig mit uns herumtragen.
Positives Denken dagegen erleichtert und beflügelt. Positive Gedanken
erlauben selbst bei Schicksalsschlägen und Niederlagen, positive Momente
der jeweiligen Situation zu erkennen und zu meistern, zumindest aber besser
damit zurechtzukommen.
Häufig sehen wir unter Stress nur eine Möglichkeit zu handeln, und
zwar vor lauter Angst nicht selten die, die schon bisher immer erfolglos war.
Durch Entspannung – muskulär und mental – werden rigide Denkgewohnheiten
aufgehoben, der sogenannte „Tunneleffekt“ vermieden. Ziel aller
chronisch Gestressten: Eine persönliche Langzeitperspektive mit neuen
Handlungsstrategien, die Aussicht auf mehr Gelassenheit und Gesundheit geben.
